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Update: Januar 2017

Interview von Dominique Feusi, forecast, mit Urs Emmenegger

 
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forecast, September 2001


Interview

mit Urs Emmenegger

von Dominique Feusi

 

 

 

 

i did it my way

 

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URS EMMENEGGER:

 

die unbestimmte

sehnsucht

nach etwas anderem

Wahrscheinlich wäre es an dieser Stelle einfacher zu erklären, was Urs Emmenegger in seinem Leben noch nicht gemacht hat.

Die «unbestimmte Sehnsucht nach etwas anderem» widerspiegelt sich in seinem Lebenslauf. Vom Aktivisten in Afrika über den Taxifahrer in Australien bis zum Schweizer Fernsehstar, weist sein Weg die unterschiedlichsten Facetten auf. Doch die Begeisterungsfähigkeit zieht sich bei Emmenegger durch und ist bis heute ungebrochen. Wenn er etwas anpackt, dann richtig. «Meine Engagiertheit habe ich noch lange nicht verloren!»

 

I state my case:

1946 geboren in eine Journalistenfamilie (Eltern: «Liebe Marta» und Kurt), Matur und abgebrochenes Geschichtsstudium. «Ich musste in die Praxis!»

Reise nach Israel. Mitgründer und humanitärer Aktivist der Aktion Pro Biafra, etliche Afrikareisen. Radiopirat und Direktor bei Radio Nordsee, England. Diverse Teilnahmen an politischen Aktionen. «Seit ich mich erinnern kann, habe ich gegen Faschismen jediglicher Art gemotzt.» 1970 Rauswurf aus England, darauf wieder illegale Einreise. «Das war Highlife pur, alles ging drunter und drüber.»

Durch die Arbeit beim Radio entstand der Kontakt zum Musikbusiness. Verschiedenste Tätigkeiten in der PR-Branche (Hair, Minstrels, Gründer des Künstlerpressedienstes Move). 1971 als Journalist bei der Schweizer Illustrierten. Bekanntschaft mit Timothy Leary und H.R. Giger. «Es war eine ziemlich wilde Zeit mit Tim, und die bewusstseinerweiternden Erfahrungen liessen sich eher weniger mit meinem Job bei der S.I. vereinen.» Rauswurf aus der Schweizer Illustrierten. Gründung des Vereins «Arbeitsgruppe offene Musik» und Veranstalter verschiedenster Events in den Bereichen Jazz, Free Jazz, Pop und Folk.

Ab 1977 Mitglied des Start-Teams der Vorabendsendung «Karussell» bei SF DRS. Reporter, Redaktor, Produzent und Moderator. «Wir waren eine extrem starke Gruppe.»

Ab 1983 längerer Aufenthalt in Australien. Job als Taxifahrer und ab 1984 als Moderator und Produzent bei «Channel O» in Sydney.

1986 wieder in der Schweiz, ab 1987 selbständig als Auftragsfilmer. «Ich habe quasi die Fronten gewechselt.»

Ab 1992 Lokalfernseh-Pionier durch Aufbau des ersten leistungsorientierten Regional-Fernsehens in Zürich. Leistet als RTV-Boss einen massgeblichen Beitrag zum Boom der Szene und bildet viele, heute geschätzte Fernsehprofis bei SF DRS, Tele24, TeleM1 etc. aus. Nach zunächst überraschend positiven Zuschauerzahlen wird Züri 1, durch den mangelnden Glauben der Geldgeber an das noch junge Medium, erfolgreich demontiert.

Doch kleinzukriegen ist der Fernsehfuchs Emmenegger noch lange nicht. Heute ist er mit seiner Firma RTV Medien GmbH ein journalistisch fundierter Partner mit viel Know-how in Sachen Konzeption, Realisation und Produktion, Corporate TV, Multimedia und Medientraining. «‘Rich and finest’ ist heute wohl nur noch mit einem Lottogewinn zu ermöglichen», meint Emmenegger lachend. Doch bei diesem Mann ist selbst das durchaus möglich.

I’ve lived a life that’s full:

Ich denke, ich habe wirklich gelebt und viel erfasst. Als junger Mensch dachte ich, ich sei zu etwas Höherem geboren. Als ich 22-jährig als humanitärer Aktivist für Pro Biafra nach Afrika ging, erlebte ich dort die nackte Katastrophe.

Dies warf mich als gut behüteter Schweizer förmlich aus der Bahn und hat mein Denken nachhaltig beeinflusst. Vielleicht bin ich auf die eine oder andere Art internationalisiert worden. Durch persönliche, sehr menschliche Kontakte bemerkt man plötzlich, wie unwichtig dieses Nationalstaat-Denken ist. Doch vielleicht kranke ich auch genau deshalb an einer Form der Heimatlosigkeit. Man könnte es auch bindungsunfähig nennen.

Regrets, I’ve had a few:

Ich habe tausende falsche Dinge getan. Sicherlich auch ein paar richtige. Manchmal war ich ein arrogantes Arschloch. Ich habe geradeaus mein Ziel verfolgt und zu wenig nach links und rechts geschaut. Mich nur um Leute gekümmert, die in diesem Moment für mich von Bedeutung waren. Damit habe ich Menschen verletzt oder zu wenig dafür gesorgt, dass sie nicht verletzt werden. Das ist ein Bedauern, das bleibt. Es ist mir bewusst geworden, wie wichtig menschliche Fixpunkte sind.

When I bit off more than I could chew:

Die Frage lautet eher, ob wie es im Song heisst, man das Ganze später wirklich wieder ausspucken kann. Wenn man sich in etwas richtig reinbeisst, muss man sich zwangsläufig auch übernehmen. Da wird Schlaf zur Nebensache und das ganze Umfeld versucht einem zu bremsen. Doch viele meiner Erfahrungen relativierten sich erst im Nachhinein. So wurde mir erst nach meiner Afrikareise klar, was ich in Israel eigentlich erlebt hatte.

And may I say – not in a shy way: «No, oh no not to me...»

Mit zunehmendem Alter stellt sich sicherlich eine gewisse Art der Gelassenheit ein. Doch über allem zu stehen, ist eine pure Illusion.

I did it my way!

Ich bin ein unverbesserlicher Optimist. Manche würden es Träumer nennen. Einige Träume waren erfolgreich, andere weniger. Jeder nach seinem Ideal. Oder um es banal zu sagen: Ich habe versucht, mich gut zu metzgen und dabei frohen Mutes zu bleiben.

 

zum Erfahrungsprofil von Urs Emmenegger